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Artikel
vom 08.01.2005 Mecklenburger-Schweiz
„Man muss zuhören können“
Frank Korrmann über die Arbeit eines Sucht- und
Drogenberaters des Sozialwerks
Stavenhagen. „Man
sitzt vor einem großen Knäuel und sucht sich eine Stelle raus,
um das Ganze aufzuwickeln.“ Einfühlungsvermögen und die
Fähigkeit zuzuhören sind Befähigungen, die das Wirken Frank
Korrmanns bestimmen. Um Menschen mit Süchten zu helfen, muss
er immer wieder Fingerspitzengefühl beweisen. Als Sucht- und
Drogenberater des Sozialwerks der evangelisch-freikirchlichen
Gemeinde Malchin-Teterow in der Stavenhagener Außenstelle
steht er bei jedem Klienten vor einer neuen Herausforderung.
„Es kommt nicht darauf an, jemanden zu knacken, vielmehr muss
ich Zugang zu dem jeweiligen Menschen finden“, sagt er. „Im
Gespräch gilt es, herauszufinden, wo die Probleme liegen. Erst
dann kann die Suche nach den Dingen beginnen, die verändert
werden müssen.“
60 Männer
und Frauen hat Korrmann im vergangenen Jahr beraten. Die
meisten kamen mit Alkoholproblemen zu ihm. Das seien 85
Prozent, meint er. Gut fünf weitere Prozent hätten
Schwierigkeiten mit illegalen Drogen. Der Rest schlage sich
mit Essstörungen, Medikamenten und Glücksspiel herum. Die
Schicksale, die sich ihm da häufig offenbarten, seien
teilweise erschütternd. Das beginne bei Geldproblemen und dem
Arbeitsplatzverlust, ginge über gesundheitliche Probleme und
familiäre Zerrüttung bis hin zu drohender Wohnungslosigkeit.
Da käme es schon mal vor, dass man jemanden bis in den Tod
begleite. „Da gab es einen Mann, der drei Jahre lang betreut
wurde“, erinnert sich Frank Korrmann, der seit 2001 als
Suchtberater tätig ist. „Zwei Therapien hat er mitgemacht, die
jeweils über zwölf bis 16 Wochen dauerten. Allerdings folgten
immer wieder Rückfälle, so dass es weiter bergab ging. Seine
restliche Lebenszeit hat er dann nur noch im Krankenhaus
verbracht.“
Verdeckt und heimlich
Männer sind unter den Klienten von Frank Korrmann eindeutig in
der Überzahl. Ungefähr zwei Drittel. „Frauen bilden ein
anderes Suchtverhalten heraus. Das ist eher verdeckt und
heimlich“, erzählt der Sozialpädagoge. „Und da die meisten
Problemfälle geschickt werden – sei es durch
Familienangehörige, Institutionen, die Arbeitsstelle oder den
Hausarzt – ist bei Frauen, die auf diese Art Süchte ausbilden,
niemand da, der sagt, Du, geh mal zu einer Beratung.“
Allerdings ist Korrmann davon überzeugt, dass Frauen genauso
betroffen sind. Erst recht, da sie aufgrund biologischer
Gegebenheiten viel stärker gefährdet seien als Männer.
Ebenso Jugendliche. „Wenn ein Erwachsener zwischen 25 und 30
Jahren anfängt zu trinken, braucht er fünf bis zehn Jahre, um
zum Alkoholiker zu werden“, erklärt der Suchtberater.
„Jugendliche geraten schon nach gut zwei Jahren in Gefahr.“
Das Alter Minderjähriger, die mit Beratungsbedarf zu ihm
kämen, beginne bei 14 oder 15 Jahren. Hier würden illegale
Drogen eine größere Rolle spielen als bei Erwachsenen.
Allerdings käme hier der juristische Aspekt hinzu. Zahlreiche
Einrichtungen – zum Beispiel im schulischen und
Jugendhilfebereich – würden von vornherein darauf achten, dass
illegale Drogen bei ihnen nicht konsumiert würden. Schnell
werde so etwas mit Sanktionen belegt.
Manche kommen von allein zu ihm, sagt Korrmann. Die anderen
würden vermittelt. „Zweimal pro Woche suchen wir Malchiner und
Stavenhagener Kollegen Patienten mit Suchtproblemen im
Darguner Krankenhaus auf“, berichtet er. „Und wenn uns jemand
einlädt, mache ich auch Hausbesuche.“ Die Beratungstätigkeit
mache ihm Spaß, meint Frank Korrmann. Er merkt, dass er das
gut kann. Allerdings betont er immer wieder, dass Erfolge nur
in einem Zusammengehen von Berater und Klient zu erzielen
sind. Der zwischenmenschliche Aspekt sei unabdingbar. Der
Begriff Psychologie fällt. Studiert hat er das nicht,
allerdings würden dabei die Erfahrungen in seinem Berufsleben
eine ganz wesentliche Rolle spielen.
Dramatische Schicksale
Frank Korrmann ist 38 Jahre alt, verheiratet und hat zwei
Kinder. Geboren wurde er im Erzgebirge, wuchs aber im Altkreis
Demmin auf. Von 1989 bis 1994 absolvierte er seine Ausbildung
zum Sozialpädagogen in Eisenach (Thüringen) und Schwalmstadt
(Hessen). In Zerbst war er dann bis 2001 in der ambulanten
Behindertenarbeit tätig, beschäftigte sich aber nebenbei mit
Beratungsaufgaben. Auf dieser Schiene wollte er weitermachen
und bewarb sich auf die Stelle in Stavenhagen, wo er seine
berufliche Erfüllung fand. Die Schicksale, mit denen er
konfrontiert werde, versucht er nicht mit nach Hause zu
nehmen. „Es gehört zu einer gewissen Professionalität, die
Dinge, die an mich herangetragen werden, hier zu lassen“, sagt
Korrmann. „Allerdings bin ich längst nicht so abgebrüht, dass
es mich nicht mehr tangiert. Es gibt wirklich
Lebensgeschichten, die so dramatisch sind, dass ich sie nicht
so einfach abhaken kann.“
Die Suchtberatung in Stavenhagen ist jeden Montag, Dienstag
und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr und zusätzlich dienstags von
13 bis 15 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.
Außerhalb der Sprechzeiten können Vereinbarungen unter der
Nummer 039954 27748 getroffen werden.
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