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Wie eine Kaiserin anfing, an einen König zu glauben

Interview von Tobias Engel mit Gisela Kaiser

(Auszug aus yuma Februar 2002 www.yuma-online.de)


Wo und wann bist du geboren worden?

1945 in Waren/Müritz. Ich hatte auch noch zwei Geschwister, die aber früh gestorben sind.

Hattest du eine erlebnisreiche Kindheit?

Ich kann mich noch erinnern, dass ich viel draußen unterwegs war. Mein Vater war sehr naturverbunden und er hat uns oft mitgenommen und uns viel in der Natur erklärt – ob es beim Angeln war oder im Wald. Ich bin auch christlich erzogen worden, zum Konfirmandenunterricht gegangen und habe dort auch viel mit den Kindern und unserm Dorfpfarrer unternommen. Nachdem ich dann die Schule abgeschlossen hatte, machte ich eine Lehre als Landwirtschaftskauffrau. In der Ausbildung habe ich auch meinen späteren Mann kennen gelernt und ihn sehr früh geheiratet, da war ich 18. Zwei Kinder hatte ich in der Ehe mit meinem Mann. Dann nach 13 Jahren kam die Scheidung. Mein Alkoholproblem war natürlich auch ein Grund dafür, dass die Beziehung zu Ende ging. Heute sehe ich es auch so, dass es wohl so sein sollte. Dein ganzer Weg ist von Gott vorbestimmt – ich habe auch heute keinen Groll mehr auf diese Zeit. Die Kinder blieben bei mir und der Kontakt ist bis heute geblieben, worüber ich dankbar bin.
 

Hatte der Alkohol auch etwas damit zu tun, dass du Gott kennen gelernt hast?

Eigentlich ja. Denn der Teufel Alkohol hat mich an den Rand der Verzweiflung gebracht. Also ich hatte mein Leben schon als beendet angesehen. Ich hatte eine Kur hinter mir und dann kam der Rückfall. In unserm Betrieb wurde sehr viel getrunken und manche haben das auch in die Arbeitszeit verlagert. Das war in Burg Schlitz im Pflegeheim. Ich hab immer versucht mein Trinken in die Zeit zu legen, wo ich frei hatte. Aber es war bekannt und ich wurde gekündigt. Dann war ich ab 1. März 1991 arbeitslos. Meine Tochter ist schon mit 13 Jahren nach Berlin gegangen. Dort hat sie Rudern als Leistungssport gemacht. Mein Sohn war auch schon verheiratet und aus dem Haus. Beide haben mich dann regelmäßig einmal in der Woche immer dienstags besucht. Da hab ich mich auch jedes Mal sehr mit dem Trinken zurück gehalten. Eine Woche vor Weihnachten sind sie erst am Donnerstag gekommen und haben mich in einem ziemlich jämmerlichen Zustand gefunden. Sie konnten nicht mit mir reden und ich hab viel geweint und war depressiv. Da haben sie Angst bekommen und haben sich Rat in der Beratungsstelle in Waren geholt. Und dann kam ich darüber nach Serrahn.

... und da bist du wahrscheinlich Nietzsches begegnet ...

Ja, wirklich. Die Erste, die ich getroffen habe war Oma Ruth (Mutter von Martina Nietzsche, d. Red.). Sie wurde zu einem Wegweiser für mich. Ganz sachte hat sie mich wieder an den Glauben heran geführt. Von der ganzen Familie Nietzsche ging so etwas Besonderes aus. Diese Herzlichkeit, dieses stille und das unaufdringliche Sorgen um jeden Menschen egal, wer vor der Tür stand. Da hab ich mich gefragt: Die haben ne große Familie und wo nehmen die ihre Kraft her? Dann bin ich ein halbes Jahr nach Elbingerode zu einer Kur und war häufiger in Serrahn zu Freizeiten und bei Festen. Dann 1993 bin ich in Serrahn unters Kreuz gegangen. Das war mein Beginn.

Hast du Gott danach erlebt?


Ja, ich hatte Erlebnisse, die mich ganz stark beeinflusst haben. Ich kann das auch gar nicht richtig ausdrücken: Das war eben, als wenn mir einer zur Seite steht. Es war zwar keine Person da, aber ich hab z.B. auch immer wieder Auswege gefunden, und grade eben nicht den Alkohol. Über die Teterower Beratungsstelle bekam ich dann auch Kontakt zur Gemeinde. Sonntags wurde ich aus Gramzow mit dem Auto abgeholt und auch ganz oft zum Mittag eingeladen. Aus meiner Wohnung in Gramzow bin ich dann raus und hierher nach Teterow gezogen.

Wie sieht dein Leben heute aus? Was machst du so?

Ich mach sehr gerne Handarbeiten. Gegen Abend lese ich auch gern. Durch meine gesundheitlichen Probleme kann ich nicht mehr so viel wie früher umherlaufen. Ich habe mir jetzt vorgenommen ältere Geschwister zu besuchen, die einsam und allein oder im Krankenhaus sind. Sie einfach mal besuchen, ihnen Mut machen und eine schöne Stunde zusammen haben. Das würde ich gerne tun.

Was rätst du der Jugend und den Eltern beim Thema Drogen?

Da möchte ich nur sagen: Wehret den Anfängen. Eltern sollten aber nicht gleich Rot sehen, wenn sie an ihren Kindern irgendeine Veränderung spüren. Probieren oder so versucht jeder mal, weil verbotene Früchte eben süß schmecken. Für die Eltern gilt es dann, erst mal mit dem Kind zu sprechen. Herausbekommen, warum das Kind die Drogen nimmt. Oder über andere Leute den Draht zum Kind zu finden. Und mit Gewalt geht gar nichts, es darf nicht gezwungen werden, sondern die Bereitschaft etwas zu tun, muss vom Kind da sein. Ganz wichtig ist hier auch das Gebet. Dafür zu beten, dass der richtige Weg gefunden wird. Ich gebe dem intensiven Gebet einen ganz hohen Stellenwert. Und dann Acht geben: Wir laufen manchmal an Wegweisern Gottes vorbei! Ich sag immer, ich werd zwar bald 60, aber ausgelernt hab ich noch lange nicht.

Ich auch nicht & danke für das Interview.

 

 

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