sozialwerk der evangelisch-freikirchlichen gemeinde malchin teterow e.v.

home  

 

 +  erlebt

 

 

Meine Geschichte

 

Mein Name ist Volker, ich bin 49 Jahre alt und bin alkoholkrank. Ich wuchs in einem guten Elternhaus auf, in dem die Droge Alkohol keine Rolle spielte. Ich erinnere mich an meinen 1. Kontakt mit 12 Jahren zur Jugendweihe gemeinsam mit meinen Kumpels. Ich war ein guter Schüler, doch schon in der 9./10. Klasse wurden bereits Freistunden mit der Clique genutzt, um Alkohol zu trinken. Ich wollte dazugehören, wollte wer sein, weil ich merkte, wenn ich aussteigen wollte, stand ich im Abseits. Auch während der Lehre als Dreher gehörte der Alkohol schon zu meinem Leben dazu, beinahe täglich 10 - 15 Bier habe ich mir „antrainiert".

 

Erstaunlich für mich ist heute, dass ich die Lehre mit „gut" abschließen konnte. Obwohl ich die schlimmen Auswirkungen schon hautnah erlebt habe, ich mich förmlich geekelt habe, habe ich noch keine Möglichkeit gesehen, umzukehren. Weiter in die Sucht hinein ging es während der Armeezeit und danach. Der Armeesportverein schloss mich als Verantwortlicher aus. Knastandrohungen wegen Tätlichkeiten und strenge Verweise bei der Arbeit bestimmten mein Leben. Hart traf mich eine Studiumabsage wegen meines Alkoholkonsums. Mit 25 Jahren machte ich die erste Delir-Erfahrung. (Ich sah Leute an meinem Fenster vorbeigehen, obwohl ich im 3. Stock wohnte) In dieser Zeit kam es zu einem Vorfall mit einem Polizisten, den ich zusammenschlug - glücklicherweise folgte nur eine Geldstrafe! Ich wechselte noch ein paar Betriebe, der Alkohol kam mit oder war schon lange vor mir da. Ich fuhr immer noch Auto, mit und ohne Promille. - Glück gehabt?

 

1988 hatte ich kurzfristig Kontakt mit einer Selbsthilfegruppe in Malchin - Aufhören? - Noch nicht! Die politische Wende kam, mit ihr Entlassungen und AB-Maßnahmen, 2 ABM bekommen, 1 Entlassung! Danach folgte eine Umschulung zum Maurer, für mich keine Hürde, ich war fast täglich alkoholisiert. Trotzdem wurde mir angeraten, abzubrechen. 1996 dann der Autounfall mit 2,18 %, heute wundert es mich nicht. Zu der Zeit ging es dann noch mal „richtig" los, bis ich dann endlich am. 12. Februar 1997 total fertig war. Ich hatte kaum noch Geld - wieviel brauche ich noch bis zum Abgrund? Ich wählte den Entzug zu Hause. Kann die Suchtberatung danach Hilfestellung geben? Ich besuchte regelmäßig (bis heute) die Selbsthilfegruppe und durfte trocken bleiben. Ich lerne ein neues Leben kennen. Mir, dem nie eine feste Beziehung möglich war, steht heute eine Verlobte zur Seite. Ich habe Hab und Gut achten gelernt, ich lerne mit Mitmenschen umzugehen und übe Gelassenheit.

 

Seit August 1999 habe ich für 1 Jahr eine AB-Maßnahme beim Sozialwerk, sozusagen meine Gruppe vor der Tür.
3 Jahre und 3 Monate abstinent, wer will urteilen, ob es lange oder kurz ist, nur der, der die Problematik kennt. Ich habe heute noch Angst vor einem Rückfall. Doch bin ich froh und dankbar über diese neue trockene Zeit und hoffe, solange es an mir liegt, dass es auch so bleibt.

 

Quelle: Sozialwerk-aktuell 1/2000

 

 <<< zurück

 

    

 aktuell  sucht und drogen  spenden  adressen  links     Orte:  malchin  stavenhagen  dargun  teterow  gnoien  laage