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Fest
beschließt interkulturelles Projekt
von jens-uwe
berndt
malchin. Afrikanische Rhythmen, bunte Kleider, Schautafeln,
ein Globus in der Größe eines Medizinballs und
fremdländisches Essen – so präsentierte sich gestern der
Platz vor dem Zentrum der Evangelisch-Freikirchlichen
Gemeinde. Hier wurde das zweite Fest der Nationen gefeiert.
Höhepunkt eines Projektes der Freikirche und des
Sozialwerks, auf den seit Januar in wöchentlichen so
genannten interkulturellen Mutter-Kind-Treffs hingearbeitet
worden war. Aber natürlich galt es hier nicht nur diese
Abschlussfeier vorzubereiten, bei der die Ausrichter gestern
im Wesentlichen unter sich blieben. „Wir haben zusammen
gefrühstückt, gesungen, gebastelt und gespielt“, sagt
Projektleiterin Maria Viechel aus Grammentin. „Man lernt
sich kennen, spricht über Traditionen und Nöte. Es half den
Frauen und Kindern, Deutsch zu lernen.“
Das weiß Sherin Shors aus dem Irak zu bestätigen. „Alles war
toll“, sagt sie über den wöchentlichen Treff. „Vor allem für
die Kinder.“ Die 32-Jährige ist seit neun Jahren in
Deutschland. Ihr Asylantrag sei nie bewilligt worden und
jetzt stünde sie „vor der Abschiebung“. „Weil im Irak wieder
alles gut ist“, sagt sie. „Ich will aber nicht gehen. In
Deutschland ist es besser für uns. Auch für die Kinder.“
Zwei Mädchen habe sie bereits hier zur Welt gebracht, die
nichts anderes mehr kennen würden. Von einer Atmosphäre, in
der sie sich fast wie zu Hause gefühlt habe, spricht auch
Assana Agba aus dem Togo. „Wir haben viel Spaß gehabt bei
den Treffs“, sagt sie. Im Alltag habe sie oft andere
Erfahrungen machen müssen. „Wir werden hier in Malchin
überall beleidigt. Nicht jeder ist so, es kommt aber vor.“
Der Armenier Karen Pirasjan hat an der Vorbereitung des
Festes der Nationen mitgewirkt und ist im Gemeindezentrum
ehrenamtlich als Hausmeister tätig. Er war bei der
Organisation vor allem seiner Deutschkenntnisse wegen von
großem Nutzen. „Acht Jahre Kampf mit deutschen Behörden und
Beamten haben mich so gut Deutsch lernen lassen“, meint der
36-Jährige, der seit sechs Jahren seinen eigenen Angaben
nach in Malchin mit seiner Familie eine Wohnung hat. Ihn
ärgere aber, dass seine Klage gegen die Ablehnung seines
Asylantrages bereits seit sieben Jahren bei Gericht liege.
Das Kleinprojekt unter dem Titel „Lokales Handeln für
soziale Zwecke“ ist von der Deutschen Kinder- und
Jugendstiftung unterstützt worden, die Mittel der
Europäischen Union im Schweriner Bauministerium eingefordert
hatte. 10 000 Euro seien da laut Maria Viechel geflossen.
Allerdings will die Grammentinerin mit Beendigung des
Projektes die Mutter-Kind- Treffs nicht aufgeben. Mit
Schulbeginn will sie diese jeden Donnerstag um 9 Uhr
fortsetzen, dann ehrenamtlich. „Vielleicht kommen dann auch
mehr deutsche Frauen zu uns“, hofft sie, denn derzeit seien
Einheimische in ihrer Runde gar nicht vertreten. Hin und
wieder seien welche gekommen, aber bald wieder weg
geblieben. Außerdem verriet Maria Viechel, dass weitere
Projekte in Planung sind.
Quelle: Mecklenburger-Schweiz
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