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 +  zeitungsbericht vom 22.06.2005

 

 

 +  Fest beschließt interkulturelles Projekt

 

von jens-uwe berndt
malchin. Afrikanische Rhythmen, bunte Kleider, Schautafeln, ein Globus in der Größe eines Medizinballs und fremdländisches Essen – so präsentierte sich gestern der Platz vor dem Zentrum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde. Hier wurde das zweite Fest der Nationen gefeiert. Höhepunkt eines Projektes der Freikirche und des Sozialwerks, auf den seit Januar in wöchentlichen so genannten interkulturellen Mutter-Kind-Treffs hingearbeitet worden war. Aber natürlich galt es hier nicht nur diese Abschlussfeier vorzubereiten, bei der die Ausrichter gestern im Wesentlichen unter sich blieben. „Wir haben zusammen gefrühstückt, gesungen, gebastelt und gespielt“, sagt Projektleiterin Maria Viechel aus Grammentin. „Man lernt sich kennen, spricht über Traditionen und Nöte. Es half den Frauen und Kindern, Deutsch zu lernen.“
Das weiß Sherin Shors aus dem Irak zu bestätigen. „Alles war toll“, sagt sie über den wöchentlichen Treff. „Vor allem für die Kinder.“ Die 32-Jährige ist seit neun Jahren in Deutschland. Ihr Asylantrag sei nie bewilligt worden und jetzt stünde sie „vor der Abschiebung“. „Weil im Irak wieder alles gut ist“, sagt sie. „Ich will aber nicht gehen. In Deutschland ist es besser für uns. Auch für die Kinder.“ Zwei Mädchen habe sie bereits hier zur Welt gebracht, die nichts anderes mehr kennen würden. Von einer Atmosphäre, in der sie sich fast wie zu Hause gefühlt habe, spricht auch Assana Agba aus dem Togo. „Wir haben viel Spaß gehabt bei den Treffs“, sagt sie. Im Alltag habe sie oft andere Erfahrungen machen müssen. „Wir werden hier in Malchin überall beleidigt. Nicht jeder ist so, es kommt aber vor.“
Der Armenier Karen Pirasjan hat an der Vorbereitung des Festes der Nationen mitgewirkt und ist im Gemeindezentrum ehrenamtlich als Hausmeister tätig. Er war bei der Organisation vor allem seiner Deutschkenntnisse wegen von großem Nutzen. „Acht Jahre Kampf mit deutschen Behörden und Beamten haben mich so gut Deutsch lernen lassen“, meint der 36-Jährige, der seit sechs Jahren seinen eigenen Angaben nach in Malchin mit seiner Familie eine Wohnung hat. Ihn ärgere aber, dass seine Klage gegen die Ablehnung seines Asylantrages bereits seit sieben Jahren bei Gericht liege.
Das Kleinprojekt unter dem Titel „Lokales Handeln für soziale Zwecke“ ist von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung unterstützt worden, die Mittel der Europäischen Union im Schweriner Bauministerium eingefordert hatte. 10 000 Euro seien da laut Maria Viechel geflossen. Allerdings will die Grammentinerin mit Beendigung des Projektes die Mutter-Kind- Treffs nicht aufgeben. Mit Schulbeginn will sie diese jeden Donnerstag um 9 Uhr fortsetzen, dann ehrenamtlich. „Vielleicht kommen dann auch mehr deutsche Frauen zu uns“, hofft sie, denn derzeit seien Einheimische in ihrer Runde gar nicht vertreten. Hin und wieder seien welche gekommen, aber bald wieder weg geblieben. Außerdem verriet Maria Viechel, dass weitere Projekte in Planung sind.

Quelle: Mecklenburger-Schweiz

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