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Gemeindebrief
der EFG Malchin März/April
„Darf ich ‘reinkommen?“ frage ich
und eine armenische Frau öffnet mir die Tür. Ich stelle mich
vor und sage, woher ich ihre Adresse bekommen habe. Dann
erzähle ich vom
interkulturellen
Mutter-Kind-Treff,
der jeden Donnerstag stattfindet und lade sie dazu ein. Es
dauert nicht lange und sie erzählt mir ihre Geschichte.
Ihre Eltern - beide Ärzte -
sind nach Moskau geflohen, wo es ihnen gut geht. Die Schwester
studiert dort auch Medizin. Sie selbst ist Erzieherin, hatte
mit ihrem Mann in Armenien ein Haus, Auto usw... Offiziell ist
kein Krieg dort, aber es sind ständig Unruhen im Land. Kinder
werden entführt und täglich gibt es Anschläge in Schulen und
auf öffentlichen Plätzen. Die Nachbarländer kämpfen gegen das
inzwischen kleine und einzig nicht moslemische Land Armenien.
Der Präsident will sein Land verteidigen, deshalb solle der
Ehemann mitkämpfen. Aber 1. ist er krank und 2. wolle er nicht
töten. Doch er werde gezwungen zur Armee zu gehen. Mit
mehreren kleinen Kindern sei die Lage zu gefährlich und es
bleibe nur die Flucht. So lebte die Familie 5 Jahre im
Heim und seit einiger Zeit in einer eigenen Wohnung. Doch wie
ist die Perspektive? Keinen Pass, keine Arbeitserlaubnis,
wenig Kontakte, mäßige Sprachkenntnisse. Da kommt meine
Einladung doch gerade richtig – denke ich. Doch die
Hemmschwelle ist groß. Viele schämen sich , dass sie noch
nicht besser deutsch sprechen. Andere sind es nicht mehr
gewohnt, auf fremde Menschen zuzugehen.
Aber ich erlebe bei den
Hausbesuchen auch immer wieder große Offenheit und Interesse.
Viele sind froh endlich mal ihre Nöte und aus ihrem Heimatland
erzählen zu können. Doch zu den Treffen kommen bis jetzt nur
Einzelne. Mit denen allerdings, die kommen, ist es sehr schön
und interessant. Da weint z.B. ein deutsches Baby und die
Afrikanerin daneben kann es überhaupt nicht verstehen,
warum die Mutter es nur einmal an die Brust legt. „Bei uns
werden Babys eineinhalb Jahre lang immer an die Brust gelegt,
wenn sie weinen “ berichtet sie.
Mir ist es ein Anliegen, mit
den Treffen wirklich einen Raum der Begegnung und des
gegenseitigen Kennenlernens zu schaffen, doch bis jetzt lassen
sich auch einheimische Mütter schwer einladen. Dorli Born, die
mich ehrenamtlich unterstützt und 10 Jahre auf den Philippinen
lebte, meinte, dass dort eine Einladung erst ab dem 3. Mal als
solche verstanden wird. Vorher ist die Zusage nur eine
Höflichkeitsfloskel.
So bin ich also
zuversichtlich.... und freue mich, wenn ihr mit für diese
Arbeit betet.
Maria Vichel
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